Wissen · aus der Praxis
Wohnung kaufen und vermieten: Lohnt sich das?
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an — und zwar auf Zahlen, die du rechnen kannst.
„Lohnt sich das?" ist die meistgestellte Frage vor der ersten Kapitalanlage-Immobilie — und die am häufigsten falsch beantwortete. Hier ist die Rechnung dahinter, Schritt für Schritt und mit durchgängigem Beispiel. Als Information und Modellrechnung, nicht als Anlage-, Steuer- oder Finanzierungsberatung.
Die falsche Frage — und die richtige
„Lohnt sich eine Wohnung als Kapitalanlage?" ist so beantwortbar wie „Lohnt sich ein Auto?" — es hängt davon ab, welches, zu welchem Preis, und wofür du es brauchst. Dieselbe Wohnung kann sich für die eine Käuferin rechnen und für den anderen Käufer nicht, weil Eigenkapital, Zins, Steuersatz und Anlagehorizont verschieden sind.
Die richtige Frage lautet: „Lohnt sich dieses Objekt zu meinen Konditionen?" — und sie lässt sich mit einer Modellrechnung strukturiert durchspielen: unter gewählten Annahmen, als Szenario, nicht als Prognose. Aus über 40 begleiteten Käufen kann ich sagen: Die Entscheidung fällt fast nie an der Frage, ob Immobilien „gut" sind, sondern daran, ob jemand bereit war, ein konkretes Objekt ehrlich durchzurechnen — inklusive der Positionen, die im Exposé nicht stehen.
Aus meinen Begleitungen: Es gab einige Objekte, die auf dem Papier attraktiv wirkten — und in der ehrlichen Rechnung durchfielen, weil die laufende Zuführung zur Erhaltungsrücklage ungewöhnlich hoch angesetzt war. Die Unterscheidung ist wichtig: Eine gut gefüllte Rücklage (der Bestand) ist ein Vorteil — eine dauerhaft hohe monatliche Zuführung dagegen drückt Monat für Monat den Überschuss und kann ein Objekt trotz ordentlicher Brutto-Zahl unattraktiv machen. Solche Positionen stehen selten im Exposé, aber immer im Wirtschaftsplan.
Die ehrliche Rechnung in fünf Schritten
Alle Zahlen im Beispiel sind Annahmen zur Veranschaulichung — kein reales Angebot, keine Prognose. Genau diese Kette rechnet die timmo Modellrechnung für jedes Objekt mit deinen persönlichen Werten durch:
Brutto-Anfangsrendite: der Schaufenster-Wert
Beispiel (Annahmen, kein reales Angebot): Kaufpreis 150.000 €, Kaltmiete 450 €/Monat = 5.400 €/Jahr. Brutto: 5.400 ÷ 150.000 = 3,6 %. Diese Zahl steht in jedem Exposé — und sie ist der Anfang der Rechnung, nicht das Ergebnis.
Kaufnebenkosten: der Kaufpreis ist nicht der Preis
Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland 3,5–6,5 %), Notar und Grundbuch (grob 1,5–2 %) kommen obendrauf — im Beispiel je nach Land rund 7.500 bis 12.750 €, ohne etwaige Makler- und Finanzierungskosten. Deine angenommene Gesamtinvestition liegt damit näher an 160.000 € als an 150.000 €.
Nicht umlagefähige Kosten: was die Miete real übrig lässt
Hausverwaltung, Zuführung zur Erhaltungsrücklage, ggf. Sondereigentumsverwaltung trägt der Eigentümer — im Beispiel angenommen 700 €/Jahr. Netto bleiben 4.700 €, bezogen auf ~160.000 € Gesamtkosten: rund 2,9 % Netto-Mietrendite. Der Abstand zur Brutto-Zahl ist der Unterschied zwischen Prospekt und Realität.
Finanzierung: aus Rendite wird Cashflow
Mit angenommenen 30.000 € Eigenkapital und 130.000 € Darlehen (Annahme: 3,8 % Zins, 2 % Tilgung) liegt die anfängliche Rate bei etwa 628 €/Monat — der Nettomiete von ~392 €/Monat steht vor Steuern und weiteren Kosten also eine Zuzahlung von rund 237 €/Monat gegenüber. Davon entfallen anfänglich ~217 € auf die Tilgung: Sie reduziert deine Restschuld, bleibt aber ein laufender Liquiditätsabfluss. Ob das tragfähig ist, entscheidet dein Budget — nicht das Exposé.
Steuern und Zeit: die Ebenen, die das Bild drehen können
Gebäude-AfA (je nach Fertigstellungsjahr grundsätzlich 3 %, 2 % oder 2,5 % — § 7 Abs. 4 EStG), Schuldzinsen und Werbungskosten wirken auf die Steuer (§§ 9, 21 EStG — Details gehören zum Steuerberater). Und über 10, 20, 30 Jahre verändern Mietentwicklung, Anschlusszins und Instandhaltung das Ergebnis stärker als jede Anfangsrendite. Genau dafür gibt es die Modellrechnung über die volle Haltedauer.
Die einzelnen Bausteine kannst du frei nachrechnen: mit dem Kaufnebenkosten-Rechner, dem Mietrendite-Rechner und dem AfA-Rechner — kostenlos und ohne Anmeldung.
Wann es sich eher nicht lohnt
Zur ehrlichen Rechnung gehört auch die andere Seite. Drei Konstellationen, die in der Modellrechnung regelmäßig zu erhöhten Risiken oder zusätzlichem Liquiditätsbedarf führen:
Ohne Puffer
Wenn nach Eigenkapital und Nebenkosten keine Reserve für Instandhaltung, Leerstand oder die kaputte Therme bleibt, trägt das Investment dich — nicht du das Investment.
Mit kurzem Horizont
Bei kurzer Haltedauer belasten Kaufneben- und mögliche Veräußerungskosten das Ergebnis besonders stark — ob sie sich ausgleichen, ist offen und hängt vom konkreten Verlauf ab. Dazu kommt die eingeschränkte Liquidität: Eine Wohnung verkauft sich nicht in Tagen. Wer sein Geld absehbar kurzfristig braucht, sollte das in der Modellrechnung nicht wegblenden.
Auf Hoffnung statt Rechnung
„Die Miete steigt schon" und „der Wert geht schon hoch" sind keine Kalkulationsgrundlage. Vergangene Preisentwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft — seriös rechnet, wer auch das Szenario ohne Wertsteigerung trägt.
Dazu kommen die klassischen Risiken jeder Vermietung: Leerstand, Zinsänderung bei der Anschlussfinanzierung, Instandhaltung, eingeschränkte Liquidität. Wer sie in der Modellrechnung abbildet statt wegzulassen, sieht vorab, wie stark sie das Ergebnis verändern können — ausschließen kann sie niemand.
Warum die Zeit wichtiger ist als die Anfangsrendite
Zwei Objekte mit identischer Anfangsrendite können nach 20 Jahren völlig unterschiedlich dastehen — wegen der Anschlussfinanzierung nach der Zinsbindung, wegen einer Dachsanierung in Jahr 15, wegen unterschiedlicher Mietentwicklung. Die Anfangsrendite ist eine Momentaufnahme; getragen wird ein Immobilien-Investment über Jahrzehnte.
Deshalb rechnet die timmo Modellrechnung auf Wunsch über bis zu 30 Jahre — mit Anschlusszins-Szenarien, Renovierungs-Ereignissen, Mietwachstums-Annahmen und Leerstandsquote. Nicht, um die Zukunft vorherzusagen (das kann niemand — auch keine Modellrechnung), sondern um zu sehen, wie sich ein Objekt unter verschiedenen Annahmen verhält. Ein Objekt, das nur im Schönwetter-Szenario trägt, verdient zumindest einen zweiten Blick, bevor man unterschreibt.
Häufige Fragen
Lohnt es sich, eine Wohnung zu kaufen und zu vermieten?
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Mietrendite?
Ist ein negativer monatlicher Cashflow schlimm?
Wie viel Eigenkapital brauche ich?
Welche Rolle spielen Steuern bei Vermietung?
Was passiert, wenn der Mieter auszieht?
Der Rat aus der Praxis
„Lohnt sich das?" beantwortet man nicht mit Meinung, sondern mit einer Rechnung, die auch das ungemütliche Szenario enthält. Wer so rechnet, kauft entweder mit klarem Kopf — oder lässt mit ebenso klarem Kopf die Finger davon. Beides ist ein gutes Ergebnis. Nur das Raten ist ein schlechtes.
Rechne echte Objekte durch statt Beispiele
Sorgfältig ausgewählte Kapitalanlage-Immobilien entdecken und mit der Modellrechnung über bis zu 30 Jahre durchrechnen — mit deinen Zahlen, nicht unseren Annahmen.