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Vermietete Wohnung kaufen: was beim Kauf mit Mieter zählt

Der Mieter ist kein Hindernis — er ist der halbe Business-Case.

Wer eine bereits vermietete Wohnung kauft, übernimmt nicht nur vier Wände, sondern ein laufendes Mietverhältnis — mit allen Rechten, Pflichten und Chancen. Was dabei zählt, aus über 40 begleiteten Käufen. Als Information, nicht als Rechts- oder Anlageberatung.

„Kauf bricht nicht Miete" — und warum das gut ist

Der wichtigste Satz beim Kauf einer vermieteten Wohnung steht seit über hundert Jahren im Gesetz: Kauf bricht nicht Miete (§ 566 BGB). Mit der Eigentumsumschreibung trittst du grundsätzlich in die wirksamen Rechte und Pflichten aus dem bestehenden Mietvertrag ein — zu den Konditionen, die dein Verkäufer vereinbart hat. Kein neuer Vertrag, keine Neuverhandlung.

Eigennutzer schreckt genau das ab — sie wollen einziehen und können es nicht ohne Weiteres. Für Kapitalanleger dreht sich das Vorzeichen um: Bei laufendem Mietverhältnis können ab dem Übergang Mieteinnahmen fließen — ohne Vermarktungslücke, ohne Mietersuche, ohne Renovieren vor der Erstvermietung. Garantiert ist der Zufluss nicht (Mieter können ausfallen oder kündigen), aber die Zahlungs-Historie liegt schwarz auf weiß vor, statt dass du sie erst herausfinden musst.

Aus meinen Begleitungen: Einige der interessantesten Objekte waren die mit Mietern, die seit 20, teils 25 Jahren in der Wohnung leben — immer zuverlässig. So ein Mietverhältnis erzählt mehr über eine Wohnung als jedes Exposé, denn es zeigt, dass hier seit langer Zeit alles reibungslos funktioniert. Manche Anbieter sichern die Miete zusätzlich mit einer Mietdifferenzgarantie über drei bis sechs Jahre ab — was eine solche Zusage wert ist, hängt allerdings vom Garantiegeber ab und gehört mit in die Prüfung. Für die erste Kapitalanlage ist ein langes, zuverlässiges Mietverhältnis jedenfalls eine starke Grundlage.

Dazu kommt ein möglicher Markteffekt: Vermietete Wohnungen können im konkreten Vergleich anders bewertet werden als bezugsfreie, weil Eigennutzer als Käufer weitgehend wegfallen. Ein allgemeiner Abschlag lässt sich daraus nicht ableiten — aber wo die Konstellation zutrifft, kauft der Kapitalanleger genau den Zustand ein, den er ohnehin haben will.

Diese Unterlagen zum Mietverhältnis gehören auf den Tisch

Bei einer vermieteten Wohnung prüfst du zwei Ebenen: das Gebäude (Protokolle, Rücklage, Wirtschaftsplan — dazu unsere Kauf-Checkliste) und das Mietverhältnis. Die zweite Ebene wird von Erstanlegern am häufigsten unterschätzt:

Mietvertrag + alle Nachträge

Miethöhe, Staffel- oder Indexvereinbarung, Nebenkosten-Umlage, Sondervereinbarungen (z. B. Kleinreparaturklausel, Tierhaltung, Untervermietung). Du übernimmst diesen Vertrag eins zu eins — was drinsteht, gilt auch für dich.

Mietzahlungs-Historie

Kontoauszüge oder eine Vermieterbescheinigung über die letzten 12 Monate. Ein Mieter, der zuverlässig zahlt, ist für Kapitalanleger bares Geld wert — Rückstände oder Minderungen müssen vor der Unterschrift auf den Tisch.

Kautionsvereinbarung + Anlagenachweis

Höhe, Anlageform, Übergabe an dich im Kaufvertrag geregelt. Denn abrechnen und ein Guthaben zurückgewähren musst am Ende du — auch wenn der Verkäufer die Kaution nie weitergereicht hat (§ 566a BGB).

Betriebskostenabrechnungen

Die letzten zwei bis drei Abrechnungen zeigen, ob die Vorauszahlungen realistisch sind und welche Kosten der Mieter trägt — und welche nicht umlagefähigen Posten bei dir hängen bleiben.

Miete, Mieterhöhung, Staffel und Index: was du übernimmst

Du übernimmst die Miete so, wie sie vereinbart ist — nach oben offen ist da nichts. Eine Erhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete ist unter den Voraussetzungen der §§ 558 ff. BGB möglich: Die Miete muss beim Wirksamwerden seit 15 Monaten unverändert sein, es gelten Form-, Begründungs- und Zustimmungsanforderungen, und die Kappungsgrenze deckelt auf grundsätzlich 20 Prozent innerhalb von drei Jahren — in per Landesverordnung bestimmten Gebieten 15 Prozent. Liegt die Ist-Miete bereits nahe an der Vergleichsmiete, ist das Anhebungspotenzial entsprechend klein — egal, was das Exposé verspricht.

Bestehende Staffelmieten (§ 557a BGB) und Indexmieten (§ 557b BGB) laufen unverändert weiter — und solange sie wirksam laufen, ist die Vergleichsmieten-Erhöhung nach § 558 BGB daneben ausgeschlossen. Das kann für dich arbeiten (planbare Steigerungen) oder gegen dich (Staffel läuft aus, Index stagniert). Deshalb gilt: Die Modellrechnung rechnet mit der vertraglich vereinbarten Miete und einem vorsichtigen Wachstums-Szenario, nicht mit dem Bestfall.

Alle Angaben allgemein und ohne Gewähr — was im Einzelfall zulässig ist, hängt von Vertrag, Mietspiegel und Landesrecht ab und gehört bei Zweifeln in anwaltliche Beratung.

Eigenbedarf: die Frage, die Kapitalanleger nicht brauchen

Viele Suchende fragen sich beim Stichwort „Wohnung kaufen, Mieter noch drin", ob man dem Mieter kündigen kann. Die ehrliche Antwort: Als Kapitalanleger willst du das gar nicht — der zuverlässige Bestandsmieter ist dein Cashflow. Die Kündigungsfrage stellt sich fast nur für verkappte Eigennutzer.

Und für die ist die Rechtslage bewusst streng: Eigenbedarf kann ein berechtigtes Interesse darstellen, wenn der Vermieter die Wohnung tatsächlich für sich, Familienangehörige oder Angehörige seines Haushalts benötigt (§ 573 BGB) — daneben sind Fristen, Form und Härtefallregeln zu beachten. Wurde Wohnungseigentum erst nach Überlassung an den Mieter begründet und die Wohnung anschließend veräußert, kann sich der Erwerber grundsätzlich erst drei Jahre nach der Veräußerung auf Eigenbedarf oder wirtschaftliche Verwertung berufen — in per Landesverordnung bestimmten Gebieten bis zu zehn Jahre (§ 577a BGB). In dieser Konstellation kann dem Mieter beim Verkauf an einen Dritten außerdem ein Vorkaufsrecht zustehen (§ 577 BGB, mit Ausnahmen etwa bei Verkauf an Familienangehörige).

Die Beobachtung aus der Praxis: Wohnen und Anlegen sind zwei verschiedene Suchaufträge. Ob eine vermietete oder eine bezugsfreie Wohnung zur eigenen Absicht passt, hängt von Nutzungswunsch, Mietverhältnis, Finanzierung und Risiken ab — teuer wird es vor allem, wenn man beides vermischt und erst nach dem Kauf merkt, dass die Rechtslage den Plan nicht hergibt.

Die drei häufigsten Fallstricke

Die Miete für bare Münze nehmen

Eine überdurchschnittlich hohe Ist-Miete kann ein Auslaufmodell sein (z. B. alter Vertrag mit auslaufender Staffel) — eine sehr niedrige Miete wiederum lässt sich nicht beliebig anheben (Kappungsgrenze, Vergleichsmiete). Rechne mit der vertraglich gesicherten Miete, nicht mit der erhofften.

Kaution im Kaufvertrag vergessen

Wird die Kautionsübergabe nicht geregelt und nachgewiesen, gewährst du am Ende des Mietverhältnisses ein Guthaben unter Umständen aus eigener Tasche zurück. Eine klare Regelung im Kaufvertrag plus Überweisungsbeleg senkt dieses Risiko deutlich.

Eigennutzungs-Hintertür einplanen

Wer „erst mal vermietet lassen, später selbst einziehen" denkt, unterschätzt Kündigungsschutz und Sperrfristen (§§ 573, 577a BGB). Eine vermietete Wohnung ist ein Investment — wer wohnen will, sollte anders suchen.

Aus der Praxis: In meinen über 40 Begleitungen — durchweg mit professionellen Bauträgern und Bestandshaltern — lief die Kautionsübergabe stets sauber über den Kaufvertrag. Den Fallstricken oben begegnet man vor allem beim Kauf von privat, wo niemand den Prozess schon fünfzigmal gemacht hat. Genau deshalb arbeitet timmo ausschließlich mit professionellen Anbietern.

Häufige Fragen

Was passiert mit dem Mietvertrag, wenn ich eine vermietete Wohnung kaufe?
Der Mietvertrag läuft unverändert weiter — „Kauf bricht nicht Miete" (§ 566 BGB). Als Erwerber trittst du mit der Eigentumsumschreibung im Grundbuch in alle Rechte und Pflichten aus dem bestehenden Mietverhältnis ein: Miethöhe, Nebenkosten-Regelungen, Vereinbarungen aus dem Vertrag. Ein neuer Mietvertrag ist nicht nötig und kann vom Mieter auch nicht verlangt werden. Das ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Bekomme ich die Kaution des Mieters übertragen?
Mit dem Eigentumsübergang trittst du in die Rechte und Pflichten aus der geleisteten Mietsicherheit ein (§ 566a BGB) — die tatsächliche Übergabe der Kautionsmittel ist aber gesondert zu regeln und zu dokumentieren. Nach Mietende musst du über die Kaution abrechnen und ein verbleibendes Guthaben zurückgewähren, auch wenn dir die Mittel nie übergeben wurden; der Verkäufer haftet daneben subsidiär weiter. Deshalb gehören Höhe, Anlageform und der Nachweis der Übertragung ausdrücklich in den Kaufvertrag.
Ist eine vermietete Wohnung günstiger als eine leere?
Vermietete Wohnungen können im konkreten Marktvergleich anders bewertet werden als vergleichbare bezugsfreie Wohnungen — unter anderem, weil Eigennutzer als Käufer weitgehend wegfallen. Ein allgemeiner oder fester Abschlag lässt sich daraus aber nicht ableiten. Für Kapitalanleger, die den Mieter ohnehin behalten wollen, kann eine solche Konstellation interessant sein; entscheidend bleibt die Modellrechnung für das konkrete Objekt.
Kann ich nach dem Kauf die Miete erhöhen?
Nur in den gesetzlichen Grenzen, die auch für den Voreigentümer galten. Bei nicht preisgebundenem Wohnraum kann der Vermieter unter den Voraussetzungen der §§ 558 ff. BGB die Zustimmung zu einer Erhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen — die Miete muss dafür beim Wirksamwerden seit 15 Monaten unverändert sein, und es gelten Form-, Begründungs- und Zustimmungsanforderungen. Die Kappungsgrenze beträgt grundsätzlich 20 Prozent innerhalb von drei Jahren, in per Landesverordnung bestimmten Gebieten 15 Prozent. Läuft eine wirksame Staffel- oder Indexmiete (§§ 557a, 557b BGB), ist die Vergleichsmieten-Erhöhung währenddessen ausgeschlossen — die Vereinbarung läuft unverändert weiter. Was im Einzelfall zulässig ist, hängt vom Vertrag und vom lokalen Mietspiegel ab — das ist Information, keine Rechtsberatung.
Kann ich dem Mieter wegen Eigenbedarf kündigen, wenn ich die Wohnung selbst nutzen will?
Für Kapitalanleger stellt sich die Frage meist nicht — der Mieter ist ja Teil des Investments. Wer aber mit Eigennutzungs-Gedanken kauft, sollte wissen: Eigenbedarf kann ein berechtigtes Interesse an der Kündigung darstellen, wenn der Vermieter die Wohnung tatsächlich für sich, Familienangehörige oder Angehörige seines Haushalts benötigt (§ 573 BGB) — daneben sind Fristen, Form und Härtefallregeln zu beachten. Wurde Wohnungseigentum erst nach Überlassung an den Mieter begründet und die Wohnung anschließend veräußert, kann sich der Erwerber grundsätzlich erst drei Jahre nach der Veräußerung auf Eigenbedarf oder wirtschaftliche Verwertung berufen; in per Landesverordnung bestimmten Gebieten bis zu zehn Jahre (§ 577a BGB). Solche Konstellationen gehören in anwaltliche Beratung.
Welche Unterlagen zum Mietverhältnis sollte ich vor dem Kauf sehen?
Den vollständigen Mietvertrag mit allen Nachträgen, die letzten Betriebskostenabrechnungen, einen Nachweis über die Mietzahlungen der letzten Monate (Rückstände?), die Kautionsvereinbarung samt Anlagenachweis und idealerweise eine aktuelle Bestätigung des Verkäufers, dass keine Mietminderungen oder laufenden Streitigkeiten bestehen. Zusammen mit den WEG-Unterlagen (Protokolle, Rücklage, Wirtschaftsplan) ergibt das ein belastbares Bild.

Der Rat aus der Praxis

Der Preis ist, was du zahlst. Der Wert ist, was du bekommst.

Benjamin Graham, zitiert von Warren Buffett im Berkshire-Aktionärsbrief 2008 · eigene Übersetzung

Bei einer vermieteten Wohnung steckt ein Teil des Werts im Mietverhältnis selbst: ein zuverlässiger Mieter, ein sauberer Vertrag, eine dokumentierte Historie. Wer nur auf Kaufpreis und Quadratmeter schaut, übersieht die Hälfte des Investments — in beide Richtungen. Die Unterlagen zum Mietverhältnis sind keine Formalie, sie sind die halbe Modellrechnung.

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