Wissen · aus der Praxis
Wie viel Eigenkapital für die erste vermietete Wohnung?
Die kurze Antwort: Es gibt keine gesetzliche Quote — aber eine Logik, die Banken fast immer anlegen.
Eigenkapital ist bei der ersten Kapitalanlage-Immobilie die häufigste Einstiegsfrage — und eine, auf die es keine Pauschalzahl gibt. Hier ist die Logik dahinter: was Banken häufig erwarten, was als Eigenkapital zählt und warum die Reserve nach dem Kauf dazugehört. Als Information aus über 40 begleiteten Käufen, nicht als Finanzierungsberatung.
Die drei Bausteine der Eigenkapital-Frage
„Wie viel Eigenkapital?" sind eigentlich drei Fragen in einer — und wer sie trennt, versteht sofort, warum Pauschalzahlen aus Ratgebern so oft in die Irre führen:
Kaufnebenkosten — der Teil, den viele Banken sehen wollen
Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland 3,5–6,5 %), Notar und Grundbuch (grob 1,5–2 %) — zusammen je nach Land etwa 5 bis 10 % des Kaufpreises, mit Makler mehr. Viele Banken erwarten, dass mindestens dieser Teil aus Eigenmitteln kommt.
Zusätzliches Eigenkapital — die Konditions-Stellschraube
Jeder Euro über die Nebenkosten hinaus senkt den Darlehensbetrag. Viele Banken staffeln Zinsen nach dem Beleihungsauslauf (Darlehen im Verhältnis zum angesetzten Beleihungswert) — ein geringerer Auslauf kann bessere Konditionen bedeuten. Wie stark, ist bank-abhängig.
Liquiditätsreserve — der Posten, der am häufigsten übersehen wird
Nach Kauf und Nebenkosten verfügbar bleibendes Kapital fängt Instandhaltung, Sonderumlagen und Mieterwechsel ab. Diese Reserve ist kein „Rest", sondern ein fester Baustein einer sorgfältigen Kalkulation.
Wie hoch die Nebenkosten in deinem Bundesland konkret ausfallen, rechnest du in zwei Minuten mit dem Kaufnebenkosten-Rechner durch — kostenlos und ohne Anmeldung.
Ein Beispiel mit Annahmen — keine Empfehlung
Angenommen, eine vermietete Wohnung kostet 150.000 €. Die Kaufnebenkosten liegen je nach Bundesland bei rund 7.500 bis 12.750 € (ohne Makler- und Finanzierungskosten). Wer nur diese Nebenkosten aus Eigenmitteln trägt, finanziert den vollen Kaufpreis — bei angenommenen 3,8 % Zins und 2 % Tilgung wären das rund 725 € Monatsrate für ein 150.000-€-Darlehen.
Mit 30.000 € zusätzlichem Eigenkapital sinkt das Darlehen auf 120.000 € und die Rate — bei gleichen Annahmen — auf rund 580 €. Dazu kann der geringere Finanzierungsanteil je nach Bank die Zinskondition selbst verbessern. Der Preis dafür: 30.000 € sind gebunden und stehen nicht mehr als Reserve zur Verfügung.
Genau dieses Spannungsfeld — Rate senken vs. Reserve behalten — ist die eigentliche Eigenkapital-Entscheidung. Sie hat kein allgemeingültiges Richtig; sie hat eine Modellrechnung mit deinen Zahlen. Alle Beträge hier sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Konditionszusage und keine Empfehlung.
Der Posten, der am häufigsten fehlt: die Reserve
Aus meinen Begleitungen: Die kritischen Momente einer Kapitalanlage sind selten der Kauf selbst — es sind die Überraschungen danach. Eine Sonderumlage der Eigentümergemeinschaft, eine defekte Heizung im Sondereigentum, ein Mieterwechsel mit zwei Monaten Leerstand. Nichts davon ist ein Drama — wenn eine Reserve da ist. Ohne Reserve wird aus jeder Kleinigkeit Druck.
Deshalb gehört in eine sorgfältige Kalkulation: Die Liquiditätsreserve ist kein optionaler Rest, sondern ein fester Posten vor der Entscheidung, wie viel Eigenkapital in den Kauf fließt — in welcher Höhe, ist individuell. Und zur Abgrenzung: Die Erhaltungsrücklage der Eigentümergemeinschaft ersetzt diese private Reserve nicht — sie ist Gemeinschaftsvermögen (§ 9a Abs. 3 WEG) und für Erhaltungsmaßnahmen am Gemeinschaftseigentum zweckgebunden (§ 19 Abs. 2 Nr. 4 WEG).
Häufige Fragen
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine vermietete Wohnung?
Was zählt überhaupt als Eigenkapital?
Geht der Kauf auch ganz ohne Eigenkapital?
Beeinflusst mehr Eigenkapital meinen Zins?
Warum sollte nach dem Kauf noch Geld übrig sein?
Zählt die Instandhaltungsrücklage der Eigentümergemeinschaft als mein Puffer?
Der Rat aus der Praxis
Die Eigenkapital-Frage ist keine Mutprobe („so wenig wie möglich!") und kein Sicherheitswettbewerb („so viel wie möglich!"). Sie ist eine Rechenaufgabe mit drei Posten: Nebenkosten, Konditions-Effekt, Reserve. Wer alle drei beziffert — mit echten Zahlen statt Bauchgefühl — schafft die Grundlage für das Gespräch mit der Bank oder einem dazu befugten Finanzierungsvermittler. Dort wird aus der Orientierung eine konkrete Finanzierungsstruktur.
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